Gefühlsschwankungen sind normal
Zu Beginn der Schwangerschaft kann die junge Frau grossen Gefühlsschwankungen ausgesetzt sein, denn, obwohl sie grössere Veränderungen an ihrem Körper feststellt und ihr gewisse Beschwerden klar signalisieren, dass sie schwanger ist, «spürt» sie irgendwie nichts von der Anwesenheit ihres Kindes. Dazu kommen oft eine grosse Müdigkeit, Erschöpfung und manchmal die sehr unangenehme Übelkeit. Für den werdenden Vater ist die Schwangerschaft in diesem Stadium noch ziemlich abstrakt und noch weniger konkret als für die Frau. Gespräche und Offenheit können in dieser Phase helfen, sich auf die neue Situation einzustellen und Unsicherheiten gemeinsam zu überwinden. Auch das Gespräch mit anderen Eltern wird oft als eine wertvolle Bereicherung empfunden.
Vor Eintritt der Schwangerschaft bestehen oft schon Vorstellungen darüber, wie eine gemeinsame Zukunft mit einem Kind aussehen könnte.
Wenn dann durch Eintreten einer Schwangerschaft aus der Phantasie, ein Kind zu haben, Realität wird, stellen sich diese Fragen plötzlich erneut und viel konkreter. Fragen wie: «Wird die Schwangerschaft gut verlaufen?» oder «Wie werde ich das schaffen?» können die Schwangere und/oder ihren Partner beschäftigen. Nicht selten treten erhebliche Stimmungsschwankungen auf. Völlig normal, aber manchmal unerwartet für das werdende Elternpaar, treten in diesem Zusammenhang auch widersprüchliche Gefühle auf.
Oft ist es schwierig, solche Gefühle nicht gleich wegzuschieben oder sie sogar zu äussern. Meist wird es jedoch bereits als hilfreich erlebt, auftretende Ängste mitteilen zu können oder sich darüber auszutauschen. Es kann hierbei entlastend sein zu erfahren, dass Ängste und widersprüchliche Gefühle gerade zu der ersten Zeit einer Schwangerschaft oft dazu gehören.
Für manche Frauen verläuft die Schwangerschaft nicht so problemlos wie vielleicht gewünscht oder erwartet. Es können Komplikationen auftreten wie häufiges Erbrechen am Anfang der Schwangerschaft, Blutungen oder vorzeitige Wehen. In schwierigeren Situationen bedarf es einer Behandlung im Spital. Um diese Zeit zu überwinden, ist es eine Voraussetzung, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die Schwangere sich angenommen und verstanden fühlt. Dafür ist neben der medizinischen Betreuung eine gute Begleitung und Unterstützung der betroffenen Frau und ihres Partners wichtig.
Auftretende Ängste und Befürchtungen der werdenden Eltern sollten frühzeitig mitberücksichtigt werden und nicht allein dem Paar überlassen bleiben.
Sich neu orientieren…
Wie immer sich die Frau entscheidet, kann es zu Kritik und negativer Bewertung kommen:
- bleibt sie zuhause, ist plötzlich die Anerkennung des Arbeitsplatzes weg. Bemerkungen wie «Was machst Du den ganzen Tag zuhause?» sind auch heute nicht die Ausnahme und können verletzen.
- geht sie zur Arbeit, fallen Vorwürfe wie «Wie kannst Du nur Dein Kind hergeben?»
Es ist nicht möglich, es allen recht zu machen und nicht einfach, für sich den richtigen Weg zu finden. In der Vergangenheit war es «normal», sich fast ausschliesslich um Kind und Hausarbeit zu kümmern. Daher fehlen der Frau Vorbilder für eine gute Verbindung von Arbeit und Familie.
Ausserdem mangelt es häufig an konkreten Möglichkeiten, Arbeit und Kinderbetreuung miteinander zu vereinbaren. Meist kostet dies grosse Energie und braucht ständiges Organisationstalent. Sich mit KollegInnen/FreundInnen auszutauschen und gemeinsam nach neuen Wegen zu suchen kann helfen, neue Lösungsansätze zu finden.
Kommt es zu Gefühlen, alles nicht mehr bewältigen zu können oder dauernder Erschöpfung, ist es wichtig, professionelle Hilfe zu holen. Frauenärzte/-ärztinnen, Familienplanungs- und Mütterberatungsstellen sind Anlaufadressen.


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