Der Entscheid eines Paares, eine Familie zu gründen ist meist Quelle grosser Freude. Die Perspektive eines neuen Lebens zu dritt kann das Paar «beflügeln». Trotzdem können, je nach Situation, mehr oder weniger grosse Differenzen zwischen Vorstellung und Realität auftreten.
Die Frage: Wann das nächste Kind? stellen sich die meisten Eltern - manchmal gar noch vor der Geburt ihres ersten Kindes. Im Rahmen einer harmonischen, individuell angepassten Planung der Familie ist diese Frage zweifelsohne sehr wichtig und die dazugehörenden Gedanken erlauben es, ein warmes «Familien-Nest» zu schaffen.
«Familienplanung» als Synonym von Empfängnisverhütung, ist nicht Thema dieses Beitrages. Wir denken viel mehr an die Planung der Familie, die eine Zeitspanne zwischen den einzelnen Geburten voraussetzt. Sie hängt von verschiedenen Parametern ab, von affektiven, sozialen, medizinischen und psychologischen Aspekten, aber auch vom Umfeld, in dem man lebt. Diese Ueberlegungen richten sich an Ehepaare, die zwei oder mehr Kinder haben möchten und den richtigen Moment für eine neue Geburt sorgsam und verantwortungsbewusst wählen möchten.
Sich Zeit nehmen, um Mutter, um Vater zu werden…
Bevor man sich die Frage des nächsten Kindes stellt, ist es sinnvoll, sich Zeit zu lassen um Mutter, um Vater zu werden. Was bedeutet dies? Zunächst einmal müssen alle ihren Platz in dieser völlig neuen Struktur, der Familie, finden. Als Frau und Mann war das Paar ausschliesslich für seine eigenen Handlungen verantwortlich. Die Entscheidungen betrafen nur sie selbst und hatten keinen Einfluss auf das Leben anderer. Mit der Geburt eines Kindes übernimmt das Paar die Verantwortung eines zerbrechlichen Wesens, dessen Bedürfnisse es interpretieren muss, ohne die eigenen Bedürfnisse zu vernachlässigen.
Zur Familie werden wirft auch den Lebensrhythmus über den Haufen, speziell für die Frau: entscheidet sie, ihr Erwerbsleben aufzugeben, hat sie eine gewisse Freiheit in der Organisation ihres Tages. Aber sie muss sich in ihrer neuen Funktion als Hausfrau und Mutter reorientieren, in der sie eine Vielfalt von Berufen ausübt: Erzieherin, Mutter, Köchin, Hausfrau, manchmal Pflegerin und Nachtwache, wenn das Kind krank ist. Entscheidet sie sich, ihre externe Arbeit beizubehalten, muss sie neue, andere Schwierigkeiten bewältigen: die Arbeit reorganisieren, eine gute Kindbetreuung finden, vielleicht auch eine Haushalthilfe, den Trennungsschmerz überwinden (selbst bei Teilzeit kann die Trennung schwierig sein, sowohl für die Mutter wie für das Kind…).
Wenn der Vater sich konkret an den neuen Aufgaben beteiligt – glücklicherweise ist dies immer häufiger der Fall –, kann das Gleichgewicht leichter wiedergefunden werden. So kann sich das Paar in dieser veränderten Lebensform neu entdecken (siehe auch den Beitrag ab Seite 139).


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